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Autor: Bernd Mathieu

Bernd Mathieu war von 1995 bis 2018 Chefredakteur der Aachener Zeitung und ab 2003 auch der Aachener Nachrichten. Er ist Honorarprofessor der FH Aachen und Aufsichtsratsvorsitzender der ProContent gAG in Essen (früher Medienakademie Ruhr, Funke-Medien-Gruppe).
Das Unfassbare.

Das Unfassbare.

Die Straßen in Buschta, einem Vorort von Kiew, sind mit Leichen übersät. Es handelt sich ganz offensichtlich um Zivilisten, um Kinder, Frauen, Männer, Mütter, Großmütter, Großväter. Deutsche Tageszeitungen, Nachrichtenmagazine und Fernsehsender zeigen die grausamen Bilder nicht, weil sie so unfassbar schrecklich sind. Morde, Folter, Vergewaltigung. Putins Schergen lassen nichts mehr aus an Menschenverachtung, an Kriegsverbrechen, an unmenschlichen Tiefpunkten, bei denen man nicht mehr befürchtet hatte, sie würden jemals wieder zur Wirklichkeit in Europa. Die Nachrichtendienste berichten, wie manchen Opfern die…

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Ein Desaster. Ein richtiges.

Ein Desaster. Ein richtiges.

Das Desaster wird unverdrossen dilettantisch kommentiert. Er möchte sich zuerst bei den Wählerinnen und Wählern bedanken, sagt der Vorsitzende der saarländischen Landtagsfraktion. Er möchte sich bei den Wahlhelferinnen und Wahlhelfern bedanken, sagt der abgewählte CDU-Ministerpräsident Tobias Hans. Schön und gut. Aber das darf doch nicht die Priorität bei der erbetenen Antwort auf eine völlig andere Frage sein. Die üblichen Floskeln. Ja auch: das übliche rhetorische Dilemma. Das nervt und ist wenig souverän – gerade in der Niederlage. Richtig: Das Saarland…

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Unser Parlament

Unser Parlament

Wolodymyr Selenskyj ist ein mutiger Mann. Der Ukrainer ist ein Staatspräsident ohne Gehabe, sondern einer, der eine klare Sprache spricht. Und der handelt. Das alles wissen wir seit einigen Wochen und erleben es fast jeden Tag. Nicht in allen Punkten muss man ihm inhaltlich zustimmen, aber sein Einsatz, seine Emotion, seine Unnachgiebigkeit gegenüber Putin und sein Herz für sein Volk und sein Land und sein Risiko für das eigene Leben sind in der jüngeren europäischen Geschichte einzigartig. Der Deutsche Bundestag,…

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Egidius Braun. Der Präsident. Der Mensch.

Egidius Braun. Der Präsident. Der Mensch.

Er war ein Glücksfall für den Fußball. Das beschreibt wohl treffend die außergewöhnliche jahrzehntelange Tätigkeit für diesen Sport in Deutschland und in Europa. Egidius Braun ist in der Nacht zum Mittwoch im Alter von 97 Jahren in Aachen gestorben. Egidius Braun empfand sich stets als Gegenentwurf zu den grellen Dreh- und Angelpunkten des immer rasanter werdenden Kommerzkarussells. Einer seiner wichtigsten Sätze lautete in diesem Zusammenhang: „Fußball ist nicht nur Geldvermehrung, Popularität verpflichtet auch zur sozialen Verantwortung.“ Egidius Braun wurde am…

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Moral. Eigentlich.

Moral. Eigentlich.

Jeden Abend: Brennpunkt, Spezial. Und: Lanz, Will, Illner, Maischberger, Plasberg. Politiker, Militärexperten, Botschafter, Wissenschaftler. Filmberichte vom entsetzlichen Grauen, das der Kriegsverbrecher und seine enthemmte Bande immer gnadenloser in die Werte zivilisierter Menschheit bomben. Was bedeutet in diesen Tagen angesichts unserer tiefen Betroffenheit eigentlich Moral? Ist es unmoralisch, den ukrainischen Wunsch nach einer Flugverbotszone und dem damit verbundenen Abschuss russischer Kampflugzeuge zum Schutz der ukrainischen Bevökerung abzulehnen? Ist es unmoralisch, mit einer Zustimmung einen Atomkrieg auszulösen? Frage eins: ja. Frage zwei:…

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„Verheerende Signale.“

„Verheerende Signale.“

Es ist fast zehn Jahre her. Garri Kimowitsch Kasparow, der ehemalige Schachweltmeister und Gründer der russischen außerparlamentarischen Oppositionsbewegung „Solidarnost“ und Vorsitzender der Vereinigten Bürgerfront, beschrieb in einem Interview klipp und klar sein Heimatland Russland als Diktatur. Die Schlagzeile über dem Gespräch, das ich mit ihm damals führte, lautete in der Aachener Zeitung und den Aachener Nachrichten: „Russland ist eine andere Welt – eine Diktatur“. Garri Kasparow sagte vor fast zehn Jahren: „Wir haben keine Wahlen, wir haben keine Redefreiheit, wir…

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Der Krieg.

Der Krieg.

Der lupenreine Demokrat hat nichts zu sagen über seinen Freund, den lupenreinen Demokraten in Moskau. Der lupenreine Demokrat aus Hannover schweigt. Was sagen die sozialen Demokraten über den lupenreinen Demokraten in ihren Reihen? Und wann sagen sie ihm deutlich und öffentlich und klar: Das war’s bei und mit uns, lupenreiner Ex-Genosse. Gewiss: Das ist ein nebensächlicher Aspekt in diesen deprimierenden Stunden. Und doch hätte man sich von einem ehemaligen Bundeskanzler gerade in diesen Stunden gewünscht, dass er die lupenreine Klappe…

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Woelkis Rückkehr

Woelkis Rückkehr

Dieses sture Beharren, dieses unverdrossene Festhalten, diese nicht vorhandene Einsicht – sie führen zu einer permanenten Verschärfung der Krise und sind alles andere als ein Teil der Problemlösung. Die katholische Kirche wird erschüttert in ihren Prinzipien, in ihren Lehren, in ihrer Haltung, in ihren Grundfesten. Und besonders hart betroffen ist das Erzbistum Köln. Aber für Kardinal Rainer Woelki ist der Aschermittwoch der Tag eines von ihm selbst bestimmten Neubeginns nach seiner vom Papst angeordneten „geistlichen Auszeit“. Sogar der Vorsitzende der…

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„Hören wir uns alle so an?“

„Hören wir uns alle so an?“

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll aus Eschweiler ist neue Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung und spürbar anders. Das Porträt ist heute im Kölner Stadt-Anzeiger erschienen. Eschweiler. Schon mal lauert irgendwo eine Störung. Irgendetwas Aufregendes. Dann kann sie zum Vulkan werden, der ohne jede Spur einer Vorwarnung ausbricht. Claudia Moll macht, was wenige Politiker tun: Sagen, was ist. Sagen, was ohne rhetorische Schminke daherkommt. Oder um es mit dem berühmten FC-Slogan zu formulieren: Sie ist spürbar anders. „Ich komme gerade aus der Zentrale des…

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Der Maler und seine klugen Bilder. Gerhard Richter zum 90. Geburtstag.

Der Maler und seine klugen Bilder. Gerhard Richter zum 90. Geburtstag.

An diesem Mittwoch wird er 90. Ein runder Geburtstag. Ein besonderer Geburtstag eines besonderen Menschen: Gerhard Richter. Vor wenigen Jahren hatte ich die seltene Gelegenheit, ihn in seinem Atelier in Köln-Hahnwald zu besuchen. Hier in der Retrospektive aus Anlass des Geburtstages ein Auszug aus dem langen Interview mit dem Künstler. Nervös? Gespannt? Gelassen? Wie geht man dahin? Dahin: zu Gerhard Richter. Zu diesem gefeierten, geschätzten, respektierten, bewunderten großen Künstler. Zu dieser berühmten Persönlichkeit der thematischen Vielfalt und faszinierenden Genres, der…

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