
Die Geschichte der Menschenwürde
Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern – gerade an diesen Tagen bietet uns Jesus die gesamte Palette manchen Alltags und mancher Biografie: Einsamkeit, Illoyalität, Verleugnung, Lüge, Ohnmacht, Verzweiflung, Ratlosigkeit, Demütigung, Verrat, Wegsehen, Gleichgültigkeit.
Im Dennoch der Passionsgeschichte stehen mit der Auferstehung der Aufbruch, der Neubeginn, die Hoffnung, die Zuversicht. Es ist auch die Botschaft der Bergpredigt, der Reue, des Erbarmens, der Nächstenliebe und des Verzeihens. Es sind die biblischen Gegenentwürfe zu den machtbesessenen Egomanen der Rücksichtslosigkeit und Menschenfeindlichkeit.
Es ist die großartige Geschichte der Menschenwürde und des Respekts vor Andersdenkenden und Andersartigen.
Es ist eine Absage an das Absolute. An das Dogmatische. An das Über-jeden-Zweifel-Erhabene. An den erhobenen Zeigefinger. An das Kompromisslose. An gnadenlose Intoleranz.
Es ist ein Plädoyer für Authentizität, für Wahrheit, für Klarheit, für Aufrichtigkeit. Für den Mut, ausgetretene Wege zu verlassen und Neues zu wagen.
Die österliche Botschaft heißt doch auch: Geschichte, Gegenwart und Zukunft unserer lokalen, nationalen und globalen Welt sind nicht nur in Aktienkursen und Ölpreisen oder in Deals zu messen. Alleine an den vorsätzlich fahrlässigen Verfehlungen der Diktatoren und Autokraten, der Finanzjongleure und der Gierigen, die den Hals nicht voll kriegen können, lässt sich der Entwicklungsstand von Gesellschaften noch nicht beurteilen.
Unsere Gesellschaft ist mehr als ein Anhängsel der Wirtschaft und des parteipolitischen Murkses. Sie ist Kultur und Chance, Lebensentwurf und Gefühl, Nächstenliebe und Vision. Sie ist vor allem menschliches Klima. Und Lebensfreude. Davon dürfen wir uns nicht leichtfertig verabschieden.
Ein frohes und ein nachhaltig gutes, ein schönes Osterfest!