
Donald, Pommes und die Belgier
Wir wissen nicht, ob Donald Trump gerne Pommes frites isst. Wir wissen nicht, welche Gourmet-Vorlieben er außer bei seinem Wahlkampf-Ausflug in eine Burger-Filiale (Make McDonald’s great again!) hat. Wir wissen aber, dass er einen vergoldeten Geschmack besitzt, wenn wir das neu gestaltete und verunstaltete Oval Office in seinem (noch) Weißen Haus betrachten. Wer sich jeden Tag freiwillig in eine derart optische Katastrophe begibt, muss schon außerordentlich individuell ticken. Ich frage mich ebenso ernsthaft wie besorgt, warum er seine überdimensionale Unterschrift nach wie vor in einem schnöden Schwarz zeitlupenartig zelebriert, wo es doch so schönes Blattgold gibt.
Er wird sich möglicherweise überlegen, ob er das Königreich Belgien mit Sonderzöllen auf die Einfuhr von originalen belgischen Fritten und belgischem Bier für die Unverschämtheit eines von ihm nicht genehmigten 4:1-Siegs gegen seine US-Wundertruppe bestraft.
Donald mischt sich in alles ein, hält sich für alles zuständig und nun muss er zur Kenntnis nehmen, dass die frechen Belgier einfach vier Tore schießen, wo ihr Land nur mickrige 3,44 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für die Verteidigung der westlichen und von Amerika auf irgendeine Art dominierten Werte ausgibt.
Denen und dem ganzen Rest der undankbaren Welt muss er jetzt doch mal zeigen, dass nur seine Regeln gelten und gefälligst dieser Friedenspreisverleiherkomiker Infantino nach seiner Nase zu tanzen hat. Der hat nicht mal verstanden, was wirkliches Fairplay ist: Da macht jeder anständige Mensch mit eingeknickter Wirbelsäule dem Gastgeber großzügige Geschenke: Siege, Punkte, Weltmeisterschaft! Hat Infantino jede Scham, jeden Anstand verloren, so dem allmächtigen Donald die ihm final gebührende Ehre, Anerkennung und Korruption zu verweigern? Da reicht die Rücknahme einer roten Karte noch lange nicht!
Und: Was stellt so ein billiger Videoschiedsrichter-Kellerraum gegen das goldige Oval-Office schon dar?! Da muss man doch schlechte Laune bekommen. Wie gut, dass Ankara die entsprechende Bühne für gute Besserung bereitet: Beim zweitägigen Nato-Gipfel werden der in krankhafter Trump-Ergebenheit versunkene Mark Rutte und die anderen Staatsmänner mit transatlantischem Hauch den, so hat es der Reformkanzler aus Deutschland formuliert, „Geist von Ankara“ beschwören. Die Jungs, weniger die widerspenstige Georgia Meloni aus Rom (wie gut, dass die Italo-Kicker erst gar nicht zur WM gefahren sind), werden Donald aufheitern müssen; denn wenn der Oberschiedsrichter nicht happy ist, droht die nächste globale Krise.
Immerhin weiß der amerikanische Präsident und „Bündnispartner“ wahrscheinlich jetzt, dass Belgien keine Stadt, sondern ein Land ist, wo es ungefähr liegt und seit einigen Stunden der unverschämteste Staat dieser Welt ist. Die Belgier geben nicht nur Senf auf ihre Fritten, sondern schenken auch den Amis noch vier Tore ein. Ja, Kostverächter waren die Belgier noch nie. Jetzt weiß das auch Donald, hat er wieder was gelernt!