Was für ein Theater! DAS DA.

Was für ein Theater! DAS DA.

„Kann Liebe Grenzen überwinden?“ Die Frage steht am Anfang. Am Anfang im Programmheft. Und ganz gewiss auch am Anfang der Geschichte, die uns diese überragende Inszenierung schenkt. Die Liebe zum Experiment hat Grenzen überzeugend und künstlerisch wertvoll überwunden.

Von Superlativen und ihrem inflationären Gebrauch in den Sphären der Übertreibungen und vermeintlichen Sensationen meistens angeödet, sei hier in aller Klarheit gesagt: Das Pop-Rock-Musical „Romeo & Julia“ des DAS DA Theaters Aachen ist ein Meisterwerk, das den so zahlreichen erfolgreichen Produktionen vergangener Jahre und Jahrzehnte eine Krone aufsetzt. Hier vereinen sich Tanz, Schauspiel, Gesang, Kostüme, Ausstattung, Dramaturgie, Fechtszenen, Musik, Technik, Bühnenbau zu einer Kongenialität, die neue, frische Akzente setzt, die historische Sprache und ebenso gehobene wie schöne Kleidung des 16. Jahrhunderts mit Musik des 20. und 21. Jahrhunderts gekonnt kombiniert.

Die Brillanz der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Garantie für ein außergewöhnliches Theater-Erlebnis auf der Burg Wilhelmstein in Würselen-Bardenberg. Shakespeare hätte gewiss seine Freude an dieser atmosphärisch wie bühnentechnisch so gelungenen Variante seines Globe Theatre gehabt. Bühnenbildner Frank Rommerskirchen trifft mit dem mehrstöckigen Rundtheater, bestehend aus rohen Stahlgerüsten, den Typus des elisabethanischen Zeitalters und schafft damit die wichtige räumliche Voraussetzung für das grandiose Theatererlebnis. Alles stimmt von Anfang an!

Verona in Bardenberg: Diese nicht geografische, sondern theatralische Ortsveränderung überzeugt mit den Details der Bühnen-Konstruktion, die den Akteurinnen und Akteuren Kondition, Konzentration und eine gewisse sportliche Note abverlangt. Sie bewältigen dies in atemberaubender Präzision, sprechend, singend, tanzend. Ihnen gelingt dieser Brückenschlag zwischen Old-England und Modern-Würselen mit körperlicher Eleganz, absolut sicherer Gestik, klarer Sprache, exzellenter Tonalität und einer ansteckend überbordenden Spielfreude, die das DAS-DA-Theater-Team in bestechender Empathie ausstrahlt: für das Publikum ein pures Vergnügen!

Maren Dupont sollten wir nun an dieser Stelle hervorheben.  Sie hat diese schöne und inspirierende Bühnenfassung geschrieben und damit tatsächlich für eine Welturaufführung gesorgt. Sie bleibt sensibel nahe beim Original und entwickelt ein reizvolles Spannungsfeld zwischen Historie und moderner Musik, die sie gemeinsam mit Christoph Eisenburger, dem musikalischen Leiter des Theaters, ausgewählt hat. Emotionale Intensität, die dank thematischer Zeitlosigkeit vorhandene Aktualität, die Balance zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die Effekte, das Licht, die Band, diese außerordentliche Liebe zum Detail, die selbst  geschneiderten Kostüme für mehr als 30 Rollen, die Arbeit hinter den Kulissen – das alles fügt sich zusammen zu einem großen Theater!

Sarah Artley (Julia) und Timo Aust (Romeo) agieren in den Hauptrollen anregend, sympathisch, ausdrucksstark und haben dabei die Gewissheit, sich auf ein starkes Ensemble verlassen zu können. Was für eine gelungene Besetzung aller Rollen! Und was für eine schöne Premiere!

Leider gibt es für die weiteren Aufführungen nur noch Restkarten. Tipp von Tom Hirtz, dem Leiter des DAS-DA-Theaters: „Einfach nachfragen“.

Fotos: Bernd Mathieu

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