
Demo, Dilemma, Demokratie
Demos, Proteste, Jugend auf der Straße. Gut so! Junge Menschen haben ein Recht darauf, ihre berechtigten Interessen öffentlich zu artikulieren.
Aber was haben Palästinenser-Fahnen und propalästinensische Sprüche damit zu tun? Oder rote Fahnen?
Und die kamen nicht aus der Ecke durchgeknallter gewaltbereiter Gruppen, die solche Demos unterwandern und für ihre Zwecke missbrauchen.
Es nützt unserer Gesellschaft und ihrer Dialogfähigkeit aber auch nichts, wenn jetzt ältere gutbürgerliche Kreise die jungen Menschen mit überheblicher Arroganz und teilweise bösem Zynismus kritisieren, ihnen zudem Wehleidigkeit oder gar Undankbarkeit unterstellen. Das lenkt von der eigenen Verantwortung für junge Generationen, ihre Zukunft und ihre subjektive Gefühlslage ab.
Das Dilemma hat seinen Ursprung tatsächlich in der demokratischen Mitte mit ihren seit Jahren ungelösten Problemen und nicht gehaltenen Versprechen. Und die Quittung dafür bekommen Union, SPD, Grüne und FDP doch nicht erst seit dem 31. Oktober auf den Straßen deutscher Städte. Die haben sie doch schon bei mehreren Wahlen eindrucksvoll erhalten. Erinnern wir uns bitte:
Bundestagswahl 2025: 18-24-Jährige 25 % Linke, 21 % AfD
Sachsen-Anhalt 2026: 18-24-Jährige 43 % AfD, 19 % Linke
Mecklenburg-Vorpommern: 16-24-Jährige 36 % AfD, 21 % Linke
Berlin 16-24-Jährige 46 % Linke, 12 % AfD
Diese Zahlen sind das größte Alarmsignal, nicht die Demonstrationen. Und eine Antwort der betroffenen Parteien haben wir bisher nicht gehört. Ein Konzept nicht entdeckt. Eine Strategie nicht wahrgenommen.
Junge Menschen haben das Gefühl, sie werden nicht ernst genommen. Sie haben kein Vertrauen in die Lösungsfähigkeit der Mitte. Deshalb haben sie sich zuletzt in der Wahlkabine extrem nach rechts und nach links orientiert.
Kinder sind unsere Zukunft! Also reden wir endlich konsequent und lösungsorientiert über Schulen, Universitäten, Kita-Gebühren, PISA.
Kümmern wir uns um die jungen Leute etwa der Generation Z , ihre Abwendung von liberalen Gesellschaftsmodellen und ihre Zukunftschancen, statt sie TikTok und anderen politischen Weichmachern zu überlassen.
Reden wir auch über Ideen für Wohnen, über Altern in Würde, über zumutbare Eigenvorsorge. Über Gerechtigkeit in der Steuerpolitik.
Entwickeln wir Leitlinien für die großen Themen Wirtschaft, Außen- und Sicherheitspolitik, für Europa und potenzielle neue Partner. Was wird aus dem „Exportweltmeister“ Deutschland? Und wie strukturiert man ein Einwanderungsland, ohne Ängste um die innere Sicherheit zu schüren? Machen wir uns endlich die Mühe zu verstehen, warum Menschen die AfD wählen und ziehen die Konsequenzen daraus.
Und geben wir jungen Menschen Zuversicht und eine Perspektive, die neues Vertrauen für das Wichtigste schafft: unsere Demokratie.