
So sind sie, die Kängurus!

Beginnen wir mit den Fakten, den ebenso überraschenden, kaum zu glaubenden, aber dennoch unumstößlich wahren! Erstens: Das Känguru kann sprechen. Das Känguru kann argumentieren. Das Känguru kann provozieren. Das Känguru kann chaotisieren. Das Känguru kann zuschlagen, und das nicht nur in bloß rhetorischen Attacken. Sondern mit roten Boxhandschuhen. Diese Farbe entspricht durchaus seiner politischen Einstellung – so gebeutelt, wie es halt ist.
Faktensammlung zwei: Das DAS DA THEATER ist immer für eine Überraschung gut. Das DAS DA THEATER ist immer unterhaltsam. DAS DA THEATER ist immer einen Besuch wert.
Faktensammlung drei: Tobias Steffen ist ein ausgezeichneter Schauspieler. Tobias Steffen ist eine vielseitige Persönlichkeit. Tobias Steffen ist ein Könner.
Was ein Känguru so alles sein kann, will und dann natürlich auch ist: vorlaut, frech, klug, bequem, links, streitbar, philosophisch, egoistisch, rücksichtslos, hilfsbereit, sprunghaft, na ja – so wie ganz normale Kängurus eben sind. Lesen Sie es in der känguruschen Reihe von Marc-Uwe Kling einfach noch mal nach, wenn Sie es für nötig halten, aber, Sie wissen es als erfahrene und durch nichts mehr zu manipulierende Theaterfreundinnen und -freunde gewiss, dass manchmal eine szenische Lesung noch viel, viel schöner sein kann als das bloße Lesen. Vorausgesetzt, man hat als treues und verwöhntes Publikum des DAS DA THEATERs das Glück, mit Tobias Steffen die Bestbesetzung überhaupt und an und für sich im Blick- und Hörkontakt erleben zu dürfen.
So war es bei der Premiere von: „Die Känguru-Chroniken“ nach Marc-Uwe Kling mit Tobias Steffen. Es folgen weitere Termine, und, sollten Sie sich nach dem Lesen dieses in allen Facetten wahrheitsgetreuen Berichts entscheiden hinzugehen, bitte nicht zu lange warten; denn dann, und das wissen Sie als Stammkundschaft, ist dieses szenische Spektakel längst ausverkauft!
Wie sich Einstellungen, Meinungen, Vorurteile, Urteile verändern können, wenn man als Kleinkünstler (der nicht so genannt werden möchte, was heißt schon „klein“ bei Kunst?!) und man von seinem Milieu in Kreuzberg in das Milieu eines kommunistischen Kängurus rhetorisch, politisch, philosophisch quasi von morgens bis abends hineingerissen wird, das ist eine ernst zu nehmende Seite derselben Medaille, die auf der anderen Seite mit ebenso feinsinnigem wie gelegentlich brachialem Humor in den neuen Alltag hineinbricht.

Die großen Fragen des Lebens (wer ist besser: Bud Spencer oder Terence Hill?) ergänzen sich in kongenialer Fügung mit den alltäglichen Katastrophen, wenn Känguru bei McDonalds keinen Whopper bekommt, weil es diese Ikone der Gourmetküche nur bei Burgerking gibt. Man erfährt auch manches über den Umgang mit uniformierter Obrigkeit aller Herkunft – von Bahn bis Polizei. Und über ausländerfeindliche Nachbarn mit (vermeintlich) blauem Hitlerbärtchen. Und über gedanklich uniformierten Rechtsradikalismus und über bürgerliche Kategorien aller Art. Über Talkshows mit der üblichen Worthülsenvermehrungsunkultur, und, und, und.
Tobias Steffen, erneut mit der Vorschusslorbeere des „Publikumslieblings“ auf dieser Bühne solo in Aktion, startet mit direkter Ansprache und unverhohlener Animation, die ihm von Anfang an und dann über zwei Stunden lang Beifall, lautstarke Zustimmung, Zwischenrufe beschert. Im Forum M der Mayerschen Buchhandlung, hier finden diesmal alle Aufführungen der szenischen Lesung statt, feiern Humor, Sprache, Spontaneität, Bewegung, Gestik, kurzum Schauspielkunst hoher Güteklasse, ein Fest. Die Kombination aus Ernsthaftigkeit und Witz setzt die entscheidenden Akzente für diesen Anspruch mit gehobenem Unterhaltungswert. Darauf, liebe Kulturfreundinnen und -freunde, dürfen Sie sich freuen. Worauf warten Sie denn jetzt noch?
Inszenierung: Maren Dupont; Bühnenbild: Frank Rommerskirchen, Nadine Dupont, Rebekka Rück; Kostüm und Ausstattung: Nadine Dupont, Rebekka Rück; Dramaturgie: Tom Hirtz; Technische Leitung: Armin Pappert; Abendspielleitung: Joshua Behrens, Armin Pappert, Timo Pappert.
Website: www.dasda.de, Telefon 0241 161688
(Titelfoto/Gestaltung: Nico Kleemann, Judith Meyer)