Die ersten drei Tage

Die ersten drei Tage

Die ersten drei Tage sind sehr schöne Zeugnisse für das, was man gemeinhin und eher beiläufig einen gelungenen Auftakt nennt. Sie stehen für eine wie von langer Hand und mit Akribie geplanten Komposition furioser, goldener und leiser Klänge. Sie sind perfekt in ihrer Vielseitigkeit und ihrer dabei doch erzielten Passgenauigkeit. Drei Tage mit Allegro , Fortissimo und Adagio. Tag eins mit einer großartigen Eröffnungsfeier im großen Stadion, Tag zwei mit dem eleganten Sieg der deutschen Dressur-Equipe im Dressurviereck in der Hauptarena, Tag drei mit dem ersten Teil der Dressurprüfung in der Vielseitigkeit (Eventing) im kleinen Stadion hinter der Haupttribüne. An allen Standorten: Spitzensport, Fachkenntnis, Begeisterung, Fröhlichkeit und – Hitze!

Die Präsidentin des Aachen-Laurensberger Rennvereins wirkt an diesem Tag drei, dem heutigen Donnerstag, zufrieden mit dem Auftakt und gestärkt durch diese Premiere zuversichtlich für alles Weitere. Stefanie Peters kombiniert inhaltliche Kompetenz und persönliche Kommunikation zu einer sympathischen Melange einer stets freundlichen Aufmerksamkeit für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für Reiterinnen und Reiter, für die Medienleute und fürs Publikum.

An diesem Tag drei, an dem im kleinen und bestens besuchten Stadion fachkundige Menschen die Dressur der Vielseitigkeit verfolgen, kommentieren und, wenn es angebracht ist, bejubeln, lässt Zeit für einen Rückblick auf den Tag zwei, auf den Tag des WM-Siegs der deutschen Dressur-Equipe, die heute Nachmittag zu einer Printen-Kostprobe bei Lambertz eingeladen ist. So viel bissfestes Aachen muss außerhalb des Parcours schon sein.

Die amtierende Europameisterin Laura Collett mit London: bereit für den Start bei der Vielseitigkeit. Foto: ALRV/Jasmin Metzner
Die amtierende Europameisterin Laura Collett mit London: bereit für den Start bei der Vielseitigkeit. Foto: ALRV/Jasmin Metzner

Seit 1978, damals fand erstmals eine Reit-WM in Aachen statt, bin ich ununterbrochen in jedem Jahr beim CHIO, einer EM oder einer WM in Aachen dabei. Weltmeister im Einzel der Springeiter – und nur Springen wurde damals in Aachen ausgetragen – wurde 1978 Gerd Wiltfang auf Roman. Und ich gebe gerne zu: Von der Dressur habe ich wirklich keine Ahnung und deshalb nie darüber auch nur eine Zeile geschrieben. Dressurpferde und ihre Reiterinnen und Reiter sind davon ebenso verschont geblieben wie die Leserinnen und Leser von Aachener Volkszeitung und Aachener Zeitung.

So habe ich gestern die etwas ruhigere Zeit genutzt, um mir die von dem außerordentlichen und legendären ARD-Kommentator Carsten Sostmeier stimmlich und fachlich begleitete Live-Berichterstattung von der Entscheidung in der Dressur anzuhören. Mit ihm, diesem ausgezeichneten Kollegen, wird für mich diese kunstvolle und filigrane Art des Pferdesports erstens durchschaubar und zweitens zum Erlebnis.

Sostmeier entwickelt geradezu ein Psychogramm des Pferdes, wenn er etwa über die aktuelle Anspannung des vierbeinigen Sportlers sagt, das reiche nun „bis in die Haarwurzeln des Pferdes“. Und bei einem anderen lautet die spontane Analyse: „Das Pferd scheint etwas schüchtern zu sein“. Das nächste verpasse ganz offensichtlich „den Moment, in dem das Pferd zur inneren Entspannung kommen könnte“. Profaner wird es danach: „Der Verdauungstrakt funktioniert, aber die Piaffe leider nicht.“

Hoch konzentriert ist er bei der entscheidenden Performance von Isabell Werth. Er spricht von einem „Damoklesschwert über ihrem Haupt“, und als er hätte er das heraufbeschworen: „Und nun auch wieder die Stolperfalle, ach das ist schade, jetzt muss sie es nach Hause reiten, jetzt noch liefern!“ Keine Sorge, keine Panik: Auf Isabell ist Verlass. Sie liefert, weil sie cool bleibt, keinen Hauch von Hektik zeigt. Dann ist Deutschland zum 13. Mal Weltmeister.

Drei Tage Reit-WM in Aachen: auch hier kein Hauch von Hektik. Es hat gut begonnen!

Titelfoto: Die ersten Medaillengewinner der FEI World Championships Aachen 2026: Bronze geht ans britische Team, Silber an die Dänen und Gold an die deutsche Equipe. Foto: ALRV/Jasmin Metzner

 

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