Gemalte Zeugnisse von Haltung.

Gemalte Zeugnisse von Haltung.

Seine Kunst: unverwechselbar, deshalb einzigartig. In Form und Qualität. In Aussage und Tiefe. In Farbe und Licht. Seine Bilder besitzen Schönheit und Botschaft. Sie haben etwas zu sagen, sie sind gemalte Visionen – über Frieden, Verständigung, kurzum: über Humanität. Emil Ciocoiu war ein begnadeter, ein außerordentlicher Maler, und wir müssen die Zeitform des Präteritums verwenden, weil er in der Nacht zum Samstag nach schwerer Krankheit gestorben ist.

     

Emil Ciocoiu wurde am 13. September 1948 in Sasa, Rumänien, geboren. Er studierte an der Kunstakademie Bukarest und kam 1980 mit seiner Frau, der Geigerin Rodica-Daniela, nach Aachen, wo er bis zu seinem Tod sein Atelier hatte. Durch zahlreiche Einzelausstellungen ist er im In- und Ausland bekannt geworden. Seine Bilder konnte man unter anderem in Mailand, Paris, Hamburg, Cannes, Stuttgart, Avignon, Wien, Brüssel, Monte Carlo sowie auf Kunstmessen in New York, Quebec, Rom, Barcelona, Bologna oder Genf sehen. Gemälde Ciocoius befinden sich im Ludwig Museum in Peking, im Nationalen Kunstmuseum Bukarest, in der Sammlung Königshaus Jordanien und in der Sammlung Königshaus Niederlande.

Die Weltreligionen und die Frage nach dem Frieden sind beherrschende Themen. „Meine Malerei wünsche ich mir als Sinnbild des Friedens. Das ist der älteste Traum der Menschheit“, formulierte er die Philosophie seiner Kunst. Judentum, Christentum, Islam und Buddhismus sind gemalte Bestandteile eines künstlerischen Zyklus’, den er „Visionen der Verständigung“ nannte. Dieses Arrangement verleiht der Religiosität eine künstlerische Relevanz und eine zeitlose Alternative zur schwindenden Bindungskraft in der westlichen Gesellschaft. Diese Kunst dokumentiert das Wesen des liebenswerten Malers auf besondere Weise: Er war ein Mann der leisen, überlegten, klugen und harmonischen Töne. Und dabei arbeitete er stets höchst engagiert, interessiert, zuhörend und sensibel bis zuweilen skeptisch gegenüber jeder Form von forschem Macht- und Herrschaftsanspruch, von kühler Gleichgültigkeit und aufgesetzter Bedeutungsschwere.

Emil Ciocoiu mit Kaiser Karl. Foto: Bernd Mathieu
Emil Ciocoiu mit Kaiser Karl.

Einen Aachener Akzent setzte er mit seinem Porträt Karls des Großen (2,50 Meter hoch und 1,80 Meter breit) zum Jubiläumsjahr 2014, in dem die Stadt Aachen an den 1200. Todestag des Kaisers erinnerte. Bemerkenswert waren auch seine Ölgemälde zu einem Konzert des Aachener Sinfonieorchesters mit dem sechsteiligen Zyklus „Má Vlast“ (Mein Vaterland) von Bedřich Smetana im Eurogress. Es gelang ihm in Zusammenarbeit mit einem Videokünstler, die Wellen der Moldau quasi in 3-D-Effekt darzustellen. Eine Auswahl seiner Gemälde stellte er bei der Europäischen Kommission in Brüssel mit dem Titel „Zum Licht“ im Berlaymont-Gebäude, dem Sitz der Europäischen Kommission, aus.  Zahlreiche Ausstellungen fanden in seiner rumänischen Heimat statt, in der er sehr ge- und verehrt wird.

Emil Ciocoiu suchte in seiner Kunst den Dialog mit allen Völkern, Kulturen und Religionen. Eines seiner Bilder gestaltet den Umschlag eines Buches des Theologen Hans Küng zum Thema Weltreligionen. Sein Werk ist so umfangreich, so abwechslungsreich, so facettenreich, so reich an Farben, an Licht, an Energie, an Zuversicht, an Ethik.

Ob er das Universum und damit die kreative und intergalaktische Überschreitung der Grenzen unseres Planeten malte oder eine erdverbundene Serie „Mensch. Stadt. Umgebung“ mit Motiven unter anderem aus New York, Rom, Jerusalem und Aachen schuf: Seine Gemälde sind von Spiritualität und Solidarität geprägt, was er immer wieder aktualisiert hat, etwa mit Motiven von Flüchtlingsbooten. Seine Bilder sind letztlich und vor allem ein gemaltes Zeugnis von – Haltung.

Fotos: Bernd Mathieu

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