Streitbar, brillant, versöhnend. Erinnerungen an Norbert Blüm.

Streitbar, brillant, versöhnend. Erinnerungen an Norbert Blüm.

 

Erinnerungen an Norbert Blüm.

„Aus heiterem Himmel“ lautet der Titel eines seiner zahlreichen Bücher. Da schreibt er: „Es gibt kein langweiliges Leben – es gibt nur besondere Menschen.“ Er gehörte dazu. Ein besonderer Mensch war für ihn aber vor allem jemand, der „nie in die Zeitung kommt“.

Norbert Blüm stand oft in der Zeitung, bei uns über zwei Jahrzehnte auch als Kolumnist. Er schrieb bemerkenswerte, aufrüttelnde Beiträge für unsere Rubrik „Aus anderer Sicht“, und manchmal rief er an und bat freundlich um mehr Platz – etwa für eine  Spezialseite zu einem Thema, das ihm am Herzen lag.

Der streitbare, der brillant formulierende, der provozierende, der versöhnende, der unterhaltsame, der diskussionsfreudige, der freundliche, der unnachgiebige Norbert Blüm scheute keine Gegner und keinen Widerspruch. Auch wir hatten manche Diskussion und einmal sogar eine fast eskalierende  Debatte, als es um sein Buch „Einspruch – wider die Willkür an deutschen Gerichten“ nach einem Forum in unserem Medienhaus ging. Wir haben das schon am nächsten Tag geklärt und sind später gute Freunde geworden. Ich erinnere mich noch gerne an eine Fahrradtour, die meine Frau und ich im Sommer 2018 entlang des Rheins machten. Norbert Blüm wurde natürlich überall erkannt, ob am Rand des Fahrradwegs von Gärtnern, die ihm zuriefen, oder in Remagen auf der Terrasse eines Restaurants. Blüm ging keinem Plausch aus dem Weg, im Gegenteil.

Für unsere Redaktion war er ein Glücksfall. Sein Leitthema der sozialen Gerechtigkeit, der ehrlichen Arbeit, sein kompromissloses Agieren gegen die erbarmungslose Gier-Gesellschaft, seine massive Kritik am Finanzkapitalismus setzten Akzente. Aber auch sein Witz, sein Humor, seine Schlagfertigkeit haben mich immer wieder erfreut. Und wenn man ihn rief, dann kam er, ohne großes Gedöns. Auf ihn war Verlass. Beispielsweise bei einer Talkrunde in meinem Heimatort Baesweiler-Oidtweiler. Da machte er in der Dorfkneipe sogar einen spektakulären Kopfstand unter der Bedingung, dass wir etwas für „Menschen helfen Menschen“ spendeten.

Vor zwei Wochen rief er mich zuhause an. Es war ein langes, ein herzliches, aber unser letztes Gespräch. Wir wollten uns noch einmal treffen. Dazu kommt es jetzt nicht mehr. Es bleiben als persönliche Erinnerungen die Widmungen in seinen Büchern. In sein Buch „Streit über Gott“, schrieb er: „In alter Treue … und es gibt ihn doch!“ Es klingt heute wie ein Schlusswort.

Der Text erschien zuerst in Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten am 25. April 2020

Foto: Sabine Mathieu, 2018 während einer Pause bei einer Radtour am Rhein bei Bonn.

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