
Trump und Böll
Donald Trump redet in Davos – eine lange 80-Minuten-Show. Sein Handelsminister Howard Lutnick provoziert bei einem Abendessen in Davos mit abfälligen Bemerkungen die Europäer derart, dass er ausgebuht wird und mehrere Gäste die Veranstaltung fassungslos frühzeitig verlassen, darunter auch die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde.
Die Führung der USA ist unverschämt, beleidigend und leidet unter Besorgnis erregenden Deal-Symptomen. Der Präsident verunglimpft sogar die europäischen NATO-Soldaten, die in Afghanistan mit und für Amerika gekämpft haben. Viele haben damals ihr Leben verloren.
Demokratie ist tägliche Anstrengung. Nicht vorhandenes Fingerspitzengefühl ist das deutlichste Zeichen für die Unfähigkeit, sich in die Lage von anderen zu versetzen. Das sind Werte, die in Trump-Land rücksichtslos außer Kraft gesetzt werden und einer egomanischen Willkür weichen müssen.
Und der Mann redet und redet und redet, jeden Tag. Jeden Tag anders, jeden Tag mal so, mal so. In Heinrich Bölls Novelle „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ wird Politik auf wunderbare Art mit einer Ironie verspottet, die von derart rhetorischer Peinlichkeit allein die wortlosen Pausen für erhaltenswert hält. So aktuell kann Jahrzehnte alte Literatur sein.