Kein gutes Gefühl

Kein gutes Gefühl

Wo ist Lauterbach? Kaum noch eine Talkshow mit ihm. Nur selten eine Präsenz in der Bundespressekonferenz. Das wird sich im Herbst gewiss ändern. Das tröstet.

Wo ist Frau Lambrecht, unsere Bundesverteidigungsministerin? Man sieht und hört sie nur selten, eigentlich gar nicht mehr. Und wie wortstark war sie noch vor Monaten und wie stolz auf die Helme für die Ukraine. Daran erinnern wir uns noch gut.

Wo ist Merz? Sein spektakulärster Beitrag war in jüngster Vergangenheit seine Landung auf Sylt. Ansonsten scheint er mit gewissen Querelen in der CDU-Bundesgeschäftsstelle übermäßig viel zu tun zu haben. Die Ampel liefert derzeit rasante Steilpässe, aber die Opposition schlummert noch immer in ihrer viel zu langen Sommerpause und ist zu träge, den Ball aufzunehmen. Jemand sollte sie wecken.

Wo ist der Bundestag? Die handwerklich dilettantische und deshalb rundum skandalöse Gasumlage wird erst sehr spät, zu spät, dort Thema. Man stelle sich vor, ein Minister einer CDU-geführten Bundesregierung hätte einen solchen Murks abgeliefert – was wäre los in diesem Land?! Wir ahnen es.

„Wo ist?“ braucht man Habeck nicht zu fragen. Der ist scheinbar überall. Und will uns in immerwährender Eintönigkeit weismachen, er habe mit der Gasumlage alles genau so vorhergesehen, also alles im Griff. Seine anfängliche Souveränität und seine angenehm glaubwürdige Art sind in einem Nebel leerer Worthülsen verschwunden, und man gewinnt allmählich den Eindruck, dass er entweder überfordert oder einfach nur naiv sein könnte. Wir werden es bald sehen.

Die anfangs zu Recht so hochgelobte Außenministerin, die positive Überraschung des Kabinetts schlechthin,  scheint jeden Hauch von Diplomatie verloren zu haben, wie man etwa bei ihrem forschen Auftritt in der Türkei erleben musste. Hoffentlich bleibt das nur ein temporärer Eindruck.

Und die FDP? Auch sie gibt es noch. Mit Lindner, Wissing und ihre anderen Größen. In ihren diffusen Darstellungen ist sie ohne Tempo und ohne Limit.

Wir stecken mitten in Krisen – von Krieg bis Klima, von Orban bis Erdogan, von CumEx bis Inflation. Und das verursacht angesichts des zumindest momentan verheerenden Zustands unserer politischen Führung  – sagen wir es zurückhaltend: kein gutes Gefühl.

4 Gedanken zu „Kein gutes Gefühl

  1. Die Anfangs so hoch gelobte „Ampel-Koalition“ existiert überhaupt nicht! Einen Bundeskanzler haben wir auch nicht! Was haben wir da nur gewählt? Damit müssen wir jetzt, wenn nichts besonderes geschieht, noch fast 4 Jahre zurecht kommen – wie soll man das aushalten?!

  2. Ich bin kein „Ampel“ Freund, frage mich aber schon lange, warum hat die Vorgänger-Regierung uns so abhängig von Russland gemacht?
    Die Folgen hieraus sind die Energieprobleme der heutigen Zeit.

  3. Ausgezeichneter Kommentar, kurz und bündig. Vielen Dank. Das was z.Zt. in D (nicht) passiert, kann ich nur mit dem „Flirten mit dem Disaster“ bezeichnen.

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