
Krise und Zuversicht. 2026.
Krisenmodus: Das ist der Zustand auch am Anfang dieses neuen Jahres. Das traurige Gefühl, das uns im Alltag begleitet. Diese Gefühlswelt schwankt zwischen Ernüchterung, Enttäuschung, Überraschung, Erstaunen und zuweilen auch Rat- oder sogar Hilflosigkeit über das, was die da oben machen – in Berlin, in Brüssel, vor allem in Washington.
Krisenmodus: Das beschreibt auch das Niveau unserer gesellschaftlichen Debatte in diesen aufgeregten Zeiten. Mittendrin: Querdenker, Leugner, Verschwörungstheoretiker, aber auch ernsthaft um Bürgerrechte und demokratische Legitimation besorgte Bürgerinnen und Bürger. Dies sind diejenigen, die das Land zusammenhalten wollen gegen andere, die es spalten wollen.
Ein gutes neues Jahr! Das wollen manche gar nicht wirklich und gerne hören, weil sie an den aktuellen Verstimmungen leiden. Weil sie ahnen, dass alleine mit dem Einsetzen einer Rentenkommission nicht alles gut wird.
Ein neues Jahr. Es hat, wenn es gut werden soll, viel mit Mut, mit Neubeginn, mit Selbstbewusstsein zu tun. Das heißt auch, nicht übertrieben zimperlich sein, nicht gleichgültig, nicht berechnend, nicht engstirnig. Das heißt, Entscheidungen zu treffen und sich einzumischen. Der Perspektivwechsel beginnt bei uns selbst!
In Ländern wie Ungarn, der Slowakei, der Türkei, den USA werden Grund- und Minderheitsrechte eingeschränkt, Prinzipien der Gewaltenteilung und Medienfreiheit ausgehöhlt. Unsere schöne und zuweilen aus Bequemlichkeit und Angst vor der Zukunft wenig gepflegte und oft nur gleichgültig behandelte Demokratie muss sich mit autoritär geführten Staaten auseinandersetzen, und längst – nicht erst seit Venezuela – wissen wir, dass dazu jetzt auch die USA gehören. Die Rasanz dieser von langer Hand geplanten Veränderung ist atemberaubend, und der seelenlose unhistorische Abriss des Ostflügels des Weißen Hauses tatsächlich ein Symbol für die Abrissbirnen, die demokratische Strukturen, internationale Bündnisse und das Vertrauen in die Politik und die Demokratie zerstören.
Wir bewegen uns zwischen Ahnungen und schon vorhandenen Realitäten einer neuen Welt-Unordnung, begleitet von mancherlei rhetorischen Ausfällen, die zur Normalität werden, wenn der FIFA-Präsident Infantino eigens für Trump einen Friedenspreis erfindet, den der sich selber umhängt und den der DFB-Präsident und Sozialdemokrat Bernd Neuendorf „anerkennenswert“ nennt. So weit sind wir gekommen!
Veränderung, Zuversicht und Zukunft sind nicht die alleinige Aufgabe von Politik, Wirtschaft, Kultur oder nicht definierter Eliten. Sondern von uns allen. Denn wo machen Menschen ihre Lebenserfahrungen, wo erleben sie ihre guten und weniger guten Begegnungen, wo und warum sind sie zufrieden oder unzufrieden? Wo werden sie mit dem Lauf ihres Lebens assoziiert, wo träumen sie? Wo sind sie unterwegs auf Entdeckungsfahrt ihrer Umgebung und deren Zustand zwischen provinzieller Enge und kultureller Vielfalt? Im Berliner Bundestag, im Brüsseler EU-Moloch? Wohl kaum. Sondern in Aachen, in Monschau, in Alsdorf, in Baesweiler.
Wer das in der Politik spürt und berücksichtigt, wer das wirklich ernstnimmt, der schaut auf etwas ganz Wertvolles: auf ein richtiges STADTBILD. Hier erleben wir Demokratie in Echtzeit. Hier entscheidet sich die Glaubwürdigkeit einer Gesellschaft. Und wenn das so ist, warum lassen wir dann die Kommunen im Stich, statt sie zu Glanzlichtern unserer Demokratie zu machen?
Es bleibt noch viel zu tun. Packen wir es an!