
Augenblicke. Respekt. Fotos.
Seine Bilder tragen seine individuelle, seine ganz besondere Handschrift. Seine Beobachtungen. Seine Momentaufnahmen wie seine Kompositionen. Seine Porträts bekannter Künstlerinnen und Künstler. Seine Fotos sind deshalb: unverwechselbar.
Sie beeindrucken in einer Nachhaltigkeit, die weit über den Tag hinausgeht. Sie besitzen in ihrer überwiegend schwarz-weißen Darstellung jene Ausdruckskraft, die für ein Gesamtkunstwerk aus Schönheit und Botschaft steht.
Robert Doisneau (1912 – 1994) war ein wirklich begnadeter Zeitzeuge, der mit seinen Lichtbildern Augenblicke festhielt, die dramatisch, berührend, ernst, erheiternd, originell sind. Eine große Auswahl seiner Kunstwerke (etwa 400) ist noch bis zum 19. April im Museum La Boverie in Lüttich, Parc de Boverie, zu sehen.
Der Franzose trifft mit seinen Fotos mitten im Alltag stets den Ton des Respekts vor den von ihm für Jahrzehnte in Sekundenbruchteilen aufgenommenen Akteurinnen und Akteuren. Diese Szenen strahlen eine Lebendigkeit und zuweilen Nachdenklichkeit aus, die weit mehr sind als nur eine Momentaufnahme. Sie erzählen Geschichten und sind längst Geschichte. Doisneau setzt ebenso leise wie spektakuläre Akzente, sensibel, zugewandt, gelegentlich auch skeptisch, etwa technologischen oder politischen Entwicklungen gegenüber.
Das Sympathische: Er dokumentiert mit Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit den Alltag junger und schon etwas älterer Menschen, von Frauen und Männern, Armen und Reichen, Unbekannten und Prominenten. Sein Œuvre ist so umfangreich, so abwechslungsreich, so reich an Kontrasten, Harmonien, Energien, an Licht, an Dramatik, an Ethik! Seine Bilder sind vor allem ein fotografiertes Zeugnis von Menschsein und von Haltung.
Was für eine Ausstellung! Man spaziert – losgelöst von jedem Zeitgefühl – geradezu überwältigt von Raum zu Raum. Die vielen beeindruckenden Bilder stapeln sich zu einem Zentrum der Personenbeschreibungen, der Lebensfreude, der Bürde und Würde des Menschen, der unbeschwerten Kindheit, der Mühen der schweren täglichen Herausforderungen. In ihrer Gesamtheit bilden die Fotos eine Allianz aus Arbeit, Freizeit, Wohnen, Kindheit, Alter, Landschaften, urbaner Architektur, Fortschritt, Werbung, aus faszinierenden Porträts berühmter Persönlichkeiten aus Malerei und Literatur und mit Specials etwa über Georges Simenon. Sie sind eine Bühne des Lebens.
Sie berühren mit ihrer lichtbildnerischen Intellektualität, mit demonstrativer Offenheit und feinsinniger Diskretion gleichermaßen. Mit der Rasanz unbeschwerter Fröhlichkeit ebenso wie mit eher entlegenen, ruhigen, ja sinnlichen Momenten. Endlos ist die Phantasie, die sie auszulösen vermögen, wenn man sich darauf denn einlassen will. Und das sollte man tun und vor allem: bald noch die Ausstellung besuchen!
INFO:
La Boverie, Parc de La Boverie 3, 4020 Lüttich. Bis 19. April. Die Ausstellung „Instants Donnés“ („geschenkte Momente“) zeigt rund 400 Bilder von Robert Doisneau, einem der größten Meister der Fotografie des 20. Jahrhunderts, von seinen Anfängen in den 30er Jahren bis zum Ende seiner Karriere. Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. www.laboverie.com • www.expo-doisneau.com