
Die Kultur der Demokratie
Wir begegnen immer mehr „tollen Hechten“, die scheinbar alles im Griff haben – Donald Trump ist der unumstrittene Prototyp dieses Genres. Motto: „Würdige mich gefälligst, ich bin etwas Besonderes!“ Und dafür bekommt man neuerdings den FIFA-Friedenspreis. Und lässt sich sogar den Friedensnobelpreis weiterreichen, den man selber gar nicht bekommen hat. Eine verrückte Welt!
Was erwarten wir gerade in solchen unfassbaren Zeiten von der Demokratie, was erwartet die Demokratie von uns? Eine wirkliche Perspektive erfordert Haltung. Politik ist nichts Belangloses, nicht der Vorrang der Exekutive, nicht die Inszenierung von Wichtigtuern. Sie darf es nie werden!
Demokratie ist die perfekte Schule für
- Wahrheit
- Respekt
- Loyalität
- Toleranz
- Streitkultur
- Mäßigung
- Konfliktlösung
- Persönlichkeitsentfaltung
- Leidenschaft
- Widerspruch
- Kontrollierte Machtfülle
- Gesunde Skepsis
- Integrität
- Moralische Ökologie
- Moralische Ökonomie
- Für These und Antithese.
Sie ist die Schule unseres Lebens. Altmodisch formuliert.
Die Demokratie des 21. Jahrhunderts hat ihr Gesicht schon verändert – in einer unheimlichen Rasanz und einer unbegrenzten Rücksichtslosigkeit. Eine gute Politikerin, ein guter Politiker muss eine Meisterin, ein Meister derart atemberaubender Perspektivwechsel sein, zukunftsorientiert, besonnen, ziel- und selbstbewusst reagierend etwa auf das Strategiepapier der Trump-Administration und der dort niedergeschriebenen Unverschämtheiten über Europa. Dass ausgerechnet Trump und seine Vasallinnen und Vasallen die Demokratie in Europa derart verachten und verunglimpfen, trägt eindeutig Züge von Dekadenz, und der Westen wird wieder einmal daran erinnert, welche Möglichkeiten der Stärken und der geschlossenen Zusammenarbeit er schon verspielt hat.
Die Würde des Menschen ist die Festung, die wir gegen den Imperialismus der Alleskönner verteidigen. Wir sind noch mittendrin in dieser schönen Staatsform mit ihrer noch stabilen demokratischen Mitte. Mit ihren freien Medien und mit ihrer Meinungsfreiheit. Mit ihren Protesten und ihren Widersprüchen. Mit ihrer Vielfalt und ihrer Aufmerksamkeit, mit ihrer Innovation, ihren klugen Köpfen, ihren herausragenden Ideen.
Wahr ist, dass man gegen Friedrich Merz sein und über ihn negativ reden kann, zuweilen ja auch sollte, aber es ist tatsächlich im Interesse dieses Landes, dass diese Regierung sich jetzt besinnt, Wesentliches vom Unwesentlichen unterscheidet, was zustande bringt und eine Situation schafft, die voreilige Abgesänge auf den Standort Deutschland überflüssig machen. Schwarz-Rot ist zum Erfolg verdammt; denn wenn es nicht klappt, dass diese Regierung den attestierten und nicht nur theoretischen immensen Vertrauensverlust stoppt, kriegen wir tatsächlich ein massives Demokratieproblem. Wir dürfen nicht verliebt ins Scheitern sein.