Die schöne neue Wiese

Die schöne neue Wiese

Die Wiese und der Büchel. Das ist ein schönes Thema. Weil es der Phantasie freien Lauf lässt. Und wenn ich es richtig verstanden habe, soll das ja genau so sein. Es geht – zunächst – nicht um ganz konkrete Bau- und Beton-Pläne, sondern um die Perspektive der Ruhe mitten in der Stadt. Um eine Wohlfühlzone zwischen dem dann wahrscheinlich noch besser sichtbaren Rotlicht-Areal der Antoniusstraße, einer Grünfläche, vielleicht etwas Wasser und bestimmt viel Animation.

Dieses Portfolio ist an diesem innerstädtischen Platz nicht nur geografisch ungewöhnlich breit, sondern verleiht Aachen unter den deutschen Großstädten gewiss ein vielfältiges und sozial anspruchsvolles Alleinstellungsmerkmal. Damit ist das wichtigste Ziel der sich nach Leuchtturmprojekten sehnenden Aachener Kommmunalpolitik erreicht. Und das besonders Schöne daran: Man ist sich weitgehend einig! Welche Zukunftsperspektive für den Öcher Vermaach auf der schönen neuen Wiese.

Da nörgeln die Nörgler nörgelnd herum. Eine Wiese, eine Wiese! Ja, das ist doch mal was. Das hat nicht jeder in so exponierter Lage. Und Wiese ist nicht gleich Wiese. Diese Wiese soll gekoppelt werden mit Wissen und Wohnen. Die drei W exponierter Stadtplanung. Und davon abgesehen: Der urbane Mensch braucht nicht nur Reallabore, sondern auch geplante, also vorsätzliche Ruhebilder, sozusagen eine alltägliche Spielwiese. Sagt doch jeder psychologisch weitergebildete Stadtplaner bzw. jede Stadtplanerin.

Wenn es in Aachen nicht reicht für ein plätscherndes Meer mit Sandstrand, nicht mal für einen Fluss, dann doch bitte für eine Wiese. Denn das hat der Geschäftsführer der Stadt- und Entwicklungsgesellschaft Aachen, Christoph Vogt, gesagt: „Im Idealfall gibt es einen städtischen Nutzungsmix in einem kleinen Quartier, in dem auch hochwertige Freiflächen entstehen, die ebenfalls in den Abendstunden genutzt werden können, kurzum ein Mix aus Baukörpern und Flächen, die der Stadtgesellschaft unmittelbar zugutekommen.“

Glauben wir also an den hochwertigen Idealfall für die Stadtgesellschaft! Ich stelle mir das wirklich nett vor. In Aachen weiß man eben, was man tut. Beim Büchel seit Jahrzehnten. In anderen Städten, die übereilt planen und in blindem Aktionismus mit dem Bauen anfangen, geht es doch meistens gigantisch schief. Das sehen wir beim aus allen Gleisen geratenen Stuttgarter Bahnhof, bei der Disharmonie der Kölner Oper, im ganz großen Stil bei den Überfliegern in Berlin und im konzertanten Allegro furioso in Hamburg.

 In Aachen keine Spur davon: lieber 30 Jahre planen statt 30 Jahre bauen. Das ist doch viel billiger und gewiss wohl überlegter. Das Büchel-Parkhaus liegt jetzt darnieder. Endlich! Aus Ruinen entsteht bald eine Wiese. Endlich! Es muss mehr Grün in die Stadt – nicht nur politisch. Endlich! Noch was zu meckern? Nö. Ich hole schon mal meinen Liegestuhl aus dem Keller, entstaube ihn gründlich und freue mich auf die Öcher Wiesn mit dem Blick in die – außer Teilen der Antoniusstraße – verkehrsberuhigte Innenstadt-Idylle der neuen Büchel-Ära.

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