Brutal.

Brutal.

Mit brutaler Offenheit soll alles auf den Tisch. Sagt jetzt Paul Ziemiak. So hat es der Generalsekretär der CDU in brutaler Offenheit formuliert. Brutal: Das Wort bedurfte nicht mehr dieser besonderen Erwähnung; denn brutal ist die unchristliche Abrechnung mit Armin Laschet ohnehin. Das sieht und merkt und spürt ja jeder außerhalb und innerhalb dieser Partei.

Die CDU braucht keine weitere Brutalität. Sie braucht Realitätssinn, das Heruntersteigen vom hohen Ross der Arroganz und Überheblichkeit. Sie benötigt wieder Kontakt zum Boden und seiner ständigen Alltagsbewältigung. Das Spiel ist aus – da oben im abgehobenen Raumschiff Berlin, und die Union hat nun genügend Arbeit damit, ihre Parallelgesellschaften irgendwie zu moderieren, zu koordinieren, zu organisieren und letztlich mit kluger Führung zu dominieren.

Die Union steht vor der größten Herausforderung nach ihrer Gründung. Sie befindet sich im politischen Lockdown und in einer Krise, die sie in dieser tatsächlich brutalen Dimension noch nie erlebt hat. Sie muss den größten Stresstest aller ihrer Zeiten bewältigen. Sämtliche bisherigen Debatten, selbst die so hitzigen und kompromisslosen um Kohl und Strauß, sind dagegen längst vergessene Fußnoten einer lahmgelegten Partei, die mitten in der Phase der Regierungsbildung des größten Landes in Europa ein Totalausfall ist.

Es kann einem unwohl werden, wenn man den aktuellen Zustand der CDU betrachtet.  Brutal unwohl. Die Union, jahrzehntelang staats- und demokratietragend, taumelt in einer lebensgefährlichen Melange aus Perspektivlosigkeit, Mangel an kreativen Köpfen, enttäuschten Biografien zu vieler Ich-AGs und, das wohl Schlimmste, einem dramatisch gewachsenen Misstrauen.

Politikverdrossenheit ist seit Jahren ein abgedroschenes Wort, und doch feiert es immer wieder neue Hoch-Zeiten. Jetzt stehen CDU und CSU ganz oben in dieser Bestsellerliste. Eine demokratische Partei muss nicht unbedingt ein Hort übertriebenen Zusammenhalts und der Geschlossenheit um jeden Preis sein. Aber sie sollte Begriffe wie Solidarität, Loyalität und vor allem auch Menschlichkeit im Umgang miteinander nicht auf den Index wegfallender Eigenschaften setzen.  Sie wird gebraucht – in der nicht einfachen Opposition zwischen AfD und der Linken. Das wird noch brutal genug.

Ein Gedanke zu „Brutal.

  1. Das sind die Früchte einer jahrelangen Hörigkeit gegenüber einer Vorsitzenden, die sachliche Auseinandersetzungen mit anderen Meinungen in ihrer Partei durch Wegmobben gemieden hat. Aus welchen Gründen auch immer gab es in den oberen Etagen der CDU immer genügend Personen, denen die parlamentarischcen Pfründe wichtiger waren, als Sachpolitik für ihre Wähler. Wer sich mit Duckmäusern und zweitklassigem Personal umgibt, muss sich nicht wundern, dass Arbeit liegengeblieben ist. Bleibt abzuwarten, ob die politische Konkurrenz damit klar kommt

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