Finale furioso

Finale furioso

Laschets Rückzug – was immer der in seiner Formulierung nun bedeuten mag.

Kramp-Karrenbauers und Altmaiers Verzicht aufs Mandat: Einsicht, nein: wohl eher keine Lust aufs Hinterbänkler-Dasein.

Erneuerung der CDU I. Ernsthafte Absicht, nein: zurzeit nur verbale Plattitüde.

Erneuerung der CDU II. Mit Merz, Röttgen, Spahn, Brinkhaus: ein schlechter Witz.

Erneuerung der CDU III. Mit jüngeren Frauen und Männern mit gediegener Berufsbiografie ohne An-Pöstchen-festkleben-Mentalität: ja bitte!

Erneuerung der CDU IV. Mit überraschenden Aktivitäten, zum Beispiel nach über 20 Jahren einem modernen Grundsatzprogramm. Mit einer Strategie, die neue soziale, globale und wissenschaftlich-technische Erkenntnisse, Fakten, Notwendigkeiten, Chancen und Risiken berücksichtigt und den gesamten rhetorischen Luftblasen-Quirl der Wichtigtuer auf den Haufen überflüssiger Arroganz wirft.

Das wäre doch was, liebe Union; denn auch die liebe södernde CSU gehört dazu. Integrativ, konstruktiv, kreativ, kompetent, solidarisch: Da wäre noch vieles zu nennen, was da aktuell unter Totalausfall verbucht werden muss.

Wege freimachen
Weg mit den Einbahnstraßen! Neue Wege gehen: Dafür braucht eine Partei Kreativität, Mut, Streit-Kultur und eine gemeinsame politische Programm-Basis. Foto: B. Mathieu

So viele Menschen sind – unabhängig von Ampeln, Jamaika und Kanzlerkandidaten – unzufrieden mit der Politik, weil sie sich als zuverlässig arbeitende, Steuern und Abgaben zahlende Mitte nicht mehr wahrgenommen fühlen. Oder unzufrieden sind mit Wohnungsnot, hohen Mieten, Problemen in der Pflege und bei der Rente. Das alles war und ist nicht neu, SPD und Union tun zuweilen so, als wären sie schon Jahrzehnte nicht mehr in der Regierung gewesen.

Auch die amtierende Bundeskanzlerin hat bei allen – durchaus historischen – Verdiensten in diesem  finale furioso keine gute Figur gemacht. Ihre übliche Regierungskunst des Abwartens und des Moderierens und im Verhältnis zur ihr „nahestehenden“ CDU sogar des Distanzierens, reichte schon lange nicht mehr aus. Sie hätte unverdrossen gestalten, fordern, führen müssen.

Besonders bei den Damen und Herren der Union gewinnt man in diesen Tagen den Eindruck, dass sie noch immer nicht verstehen, was sie selbst verschuldet haben. Die Union ist auch, aber nicht nur wegen Laschet abgestraft worden, sondern wegen ihrer Defizite in der politischen Gestaltung unseres Landes. Oder des katastrophal misslungenen „Weiter-so-Wahlkampfes“. Übernimmt für diesen unvorstellbaren Schlamassel mal jemand selbstkritisch die Verantwortung in den christdemokratischen Promi-Reihen?

Stattdessen blendet die CDU in weiten Teilen ignorant und arrogant ihre eklatanten Versäumnisse im Bereich zukunftsorientierter Politik ebenso aus wie die schweren Versäumnisse im Wahlkampf und die Dürre in ihrer Personalabteilung. Redet doch offen und ehrlich darüber – streitet miteinander, aber nicht gegeneinander! Nur so wäre die Union ansatzweise ein potenzieller Koalitionspartner für den Fall der Fälle, aber doch nicht in diesem hilflos-rücksichtslosen Abriss-Unternehmen.

Die Debatten, die Unterstellungen, der Argwohn, die offen zutage tretenden Aversionen der herzallerliebsten Parteifreundinnen und -freunde sind nach dieser historischen Klatsche immer noch ein gewöhnungsbedürftiges, ein zutiefst peinliches und unwürdiges Spektakel.

So wie wir derzeit „Unionsgrößen“ erleben, ist denen alles zuzutrauen. Und das ist beunruhigend.

Ein Gedanke zu „Finale furioso

  1. Die Beleidigten in der CDU scharren mit den Hufen, getreten hatten sie schon zuvor gegen den armen Armin. Der hat seine Rübe hingehalten, der Dank ist seine Versenkung. Es gibt kein weiter so.

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