Was hat Scholz, das Laschet nicht hat?

Was hat Scholz, das Laschet nicht hat?

Was kann Scholz, das Laschet nicht kann? Was hat Scholz – so an und für sich -, das Laschet nicht hat – so an und für sich?

Das sind wesentliche Fragen drei Wochen vor der Bundestagswahl. Sie stellen jede Sachaussage in den Schatten. Und Schatten haben wir in diesem Wahlkampf viel.

Ist Scholz nur deshalb vorne, weil Laschet angeblich so schwach, er selber aber gar nicht so stark ist? Und ist die SPD, die ihn partout nicht als Vorsitzenden wollte, so stark, weil der einst ungeliebte Scholz nun ihr Kanzlerkandidat ist?

Ist die Union so schwach, weil Laschet Kanzlerkandidat ist? Oder haben Teile der CDU und der CSU den Wahlkampf eingestellt (oder erst gar nicht begonnen), weil sie am Ende ihrer innerparteilichen Solidarität sind?

Ist das Laschet-Team mit bekannten und mehr unbekannten Menschen vom Kanzlerkandidaten aus freiem Willen, eigener Einsicht und ohne jeden äußeren Einfluss der Partei drei Wochen vor der Wahl präsentiert worden – wie der letzte Rettungsversuch, wie eine Panikattacke? Warum hat die Union es schon vor Monaten in ihrer Strategie (gab und gibt es eine?) nicht kapiert, dass man ein solches Team mindestens acht Wochen vor der Wahl zusammenstellt, bekannt macht, agieren lässt, als Botschafterinnen und Botschafter für die wesentlichen Botschaften eines Wahlprogramms einsetzt, das doch die unabdingbare Grundlage und wichtigste Botschaft für eine sachbezogene Entscheidung vor der Wahl ist?

Warum handeln angebliche Profis so dilettantisch? Was machen diese genialen und hoch bezahlten Beraterinnen und Berater im Hauptberuf?

Geht jetzt so plötzlich bei Scholz die Umfrage-Post ab, weil er alles richtig gemacht hat? Weil er sich nicht festlegt – nach links? Oder vielleicht weil er netter ist oder wirkt als Laschet? Mal ehrlich: Fliegen ihm die Herzen zu? Ist er der große Macher? Reißt er mit? Ist er eine Wahlkampfgranate?

Und Baerbock? Holt sie noch mal auf? Und Laschet? Kann er auf einen Teil der bisherigen und treuen Wählerinnen und Wähler der Union setzen, die Sekunden vor dem Ausfüllen des Wahlzettels sich vor lauter Gewissensbissen nicht trauen und doch wieder CDU wählen?

Und: Wie oft wird man jetzt gefragt, was man denn glaube, annehme, vermute, wie die Wahl ausgehe? Wie es sein könne, dass plötzlich die SPD und Scholz oder Scholz und die SPD vorne liegen. In eigener Sache dazu ein Zitat aus einem Kommentar vom 15. Mai in diesem Blog: „Nur knapp vor der FDP, weit hinter den Grünen, auch weit hinter der Union: Die SPD steckt im Tief. Aber halt: Es sind nur Umfragen. Und die müssen mehr als vier Monate vor der Bundestagswahl noch nicht den endgültigen Knock-out bedeuten … Den norddeutsch staubtrocken wirkenden Olaf Scholz mag mancher schon als hoffnungslosen Kanzlerkandidaten-Fall abgehakt haben. Sein leider so ermüdend monoton vorgetragenes Plädoyer für eine Gesellschaft des Respekts hätte jedoch durchaus das Zeug, einen Nerv zu treffen“.

Antworten auf die Fragen oben? Am Abend des 26. September.

2 Gedanken zu „Was hat Scholz, das Laschet nicht hat?

  1. Es scheint als seien die Leute so ausgezehrt von Corona und den monatelangen Detail- Diskussionen hierum, dass niemand Lust hat auf weitere inhaltliche Diskussionen. Lediglich GNTK, Germany’s Next Top Kanzler, schaut man noch auf RTL; das aber auch nur 15% und wenn sonst nichts Besseres im Fernsehen kommt. Die Probleme und Herausforderungen sind riesig, aber das war und ist Corona auch. Die ohnehin nicht sooo fakteninteressierte große Mehrheit scheint am Limit.

  2. Olaf Scholz ist seit langem Finanzminister. Deshalb wird er von einem großen Teil der Bevölkerung als Mitstreiter im „Merkel-Team“ wahrgenommen. Da die Unterschiede in den Parteiprogrammen von CDU und SPD aufgrund des langjährigen gemeinsamen Regierens in einer großen Koalition für viele Wähler einfach nicht mehr wirklich sichtbar sind (eine wirkliche Auseinandersetzung damit setzt Neugier, Energie und den Willen, Zeit zu investieren voraus), ist ein
    ‚Weiter wie bisher – Merkel und Scholz haben ja schließlich die wenigsten aus der Komfortzone gestoßen“ eine verständliche wenn auch sehr gemütliche Möglichkeit eine Wahlentscheidung zu treffen.

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