Der krönende Abschluss

Der krönende Abschluss

Endlich! Am 18. Juli, 11 Uhr, ist Dürer wieder in Aachen. Sein Esprit, seine Kunst. An diesem Sonntag ist er mitten in der offiziellen Eröffnung mit kultur- und staatstragender Prominenz, auch wenn seine Ausstellung „Dürer war hier“ heißt. Corona hat ihn nach einem Jahr in eine inzidenzfreundlichere Zeit gebeamt.

An erster Stelle bläst Peter van den Brink, Kurator der Ausstellung und Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums, die Fanfare, die nach 501 Jahren Albrecht Dürers Rückkehr in die kaiserliche Stadt verkündet. Für van den Brink ist dies der krönende Abschluss von 16,5 Jahren in Aachen, die individuell, originell, kompetent, attraktiv, an- und aufregend, überraschend waren und sind, kurz: brillant.

Wer es in Aachen nicht erkannt hat oder haben will, wird es noch merken, wenn er weg ist. Den 31. August hat er als letzten Arbeitstag markiert: in Herz und Seele, weniger in irgendeinem analogen oder digitalen Terminkalender. Dass ausgerechnet ein Hochkaräter wie Dürer ihn auf diesem Weg begleitet, passt zum Niederländer, der mit bemerkenswerten und Aufsehen erregenden Ausstelllungen ein Glücksfall für eine Stadt dieser Größe war.

Wegen Corona musste vieles im Home-Office organisiert werden. Zoom ist nicht van den Brinks Sache. Keine Interaktion, keine Emotion, da bleibt ihm zu wenig Zwischenmenschliches. Seit März 2020 gab es keinen direkten physischen Kontakt mit den englischen Kollegen der National Gallery London, die mit ihrem Ausstellungstermin von Covid in den November gerückt worden sind.

Er hat die Ausstellung geplant: Peter van den Brink. Foto: Bernd Mathieu
Er hat die Ausstellung geplant: Peter van den Brink, Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums. Fotos: Bernd Mathieu

„Alles ist so groß“, sagt van den Brink in einer Melange aus Freude, Respekt, Erstaunen und erfolgreich überstandener und bis dahin wohl nie da gewesener Herausforderung an ihn und sein großartiges Team. 80 Leihgeber bereichern die Dürer-Performance, normalerweise sind es etwa 30. Alle Förderer sind weiterhin an Bord, neu dabei ist die flämische Regierung. Sie zahlt 100.000 Euro – und das Mittagessen für 300 Gäste am Tag der Eröffnung. Da bleibt sich die gastgebende Stadt Aachen aus der Tasche. Und die Resonanz der Medien hat sich noch einmal enorm gesteigert, vor allem in Belgien. „Dürer ist die schönste Ausstellung, die ich jemals realisieren konnte.“

Für den erfahrenen Peter van den Brink sind das noch einmal neue Akzente: „Dass ich bei dieser Ausstellung drei Kuratoren habe, ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Sie hat eine ganz andere Dimension im Vergleich zu jeder bisherigen Ausstellung.“ Sie habe enorm viel Zeit gekostet.

Copyright: Albrecht Dürer, Aachener Dom und Katschhof, 1520_© The Trustees of the British Museum

Und was macht er nun, ab dem 1. September? „Ich gehe in Urlaub“, lautet die spontane Antwort, die die nächste Frage provoziert: Und danach? Er betreut einige wichtige Sammler, zum Beispiel in England, in den USA, in Paris, in Deutschland. Er hilft ihnen beim Ankauf von Kunstwerken. „Für Händler oder Auktionshäuser werde ich niemals arbeiten, weil das Sklavenarbeit ist. Und es interessiert mich auch nicht.“ Vorstellen kann er sich unterdessen, als freier Kurator aktiv zu werden, Texte für Kataloge zu schreiben, Kunstwerke auszusuchen.  „Das kann sein.“ Und er fügt hinzu: „Wenn meine Frau mir das gestattet.“

Im Wortlaut: Fragen an und Antworten von Peter van den Brink

Ist Dürer der Höhepunkt Ihrer Ausstellungen, krönender Abschluss?

Van den Brink: Es ist die größte Ausstellung, die ich je gemacht habe. Dazu gehört ein Katalog mit 680 Seiten mit 26 Essays. Wir nennen das DdD: Der dicke Dürer. Es wird für die Forschung über 30, 40 Jahre ein wichtiges Buch.

Die Ausstellung hat eine überragende internationale Bedeutung. Eine neue Erfahrung?

Van den Brink: Bezogen auf Aachen ist das eine neue Erfahrung. Sie gilt weltweit schon jetzt als eine der fünftwichtigsten Ausstellungen des Jahres. Berücksichtigt sind dabei alle großen Museen, etwa MOMA und Louvre.

Was hat Sie trotz manchen Ärgers in Aachen gehalten?

Van den Brink: Ich bin gerne über eine so lange Zeit in Aachen geblieben und schätze hier die flachen Hierarchien, ich arbeite mit dem Depotverwalter, dem Schreiner, dem Hausmeister persönlich zusammen. In größeren Organisationen gibt es Distanzen und Schichten. Das mag ich nicht; denn ich bin gar kein so guter Direktor, aber ein superguter Kurator.

Welche Ausstellungen waren für Sie ganz besonders?

Van den Brink: Die Schattengalerie – die verlorenen Werke der Gemäldesammlung. Das war etwas ganz Besonderes, auch aus politischer Sicht, mit einem Symposium, der Ausstellung und vielen Recherchen. Wo ich mich bereichert fühlte, weil ich einen Künstler kennengelernt habe, den ich gar nicht gut kannte, war Cornelis Bega (Eleganz und raue Sitten). Dann Joos van Cleve, mein eigenes Fachgebiet, und, nicht mein Fachgebiet, Hans von Aachen – wie die Schattengalerie eine Notwendigkeit für die Stadt, ein großer Künstler. Auch Dürer gehört nicht zu meinem Fachgebiet. Da habe ich viel gelernt, heute bin ich Dürer-Spezialist.

Ihre Aachen-Bilanz?

Van den Brink: Ich habe am Ende alles verwirklichen können, was ich vorhatte. Das sollten wir nicht vergessen, wie schwierig es oft auch mit Verwaltung und Politik war.

Was macht Ihr Museum attraktiv?

Van den Brink: Der Reichtum und die Tiefe seiner Sammlung und die Art und Weise, wie seine Kuratoren sie präsentieren, gerade jetzt auf dem digitalen Kanal. Ich finde das ganz prima, da kann ich nur gratulieren.

Erschienen in der Juli-Ausgabe des Magazins BAD AACHEN.

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