Das Schauspiel

Das Schauspiel

53 Schauspielerinnen und Schauspieler haben geschaut und nicht genau hingesehen: für wen und für was und wie und mit wem sie in die Corona-Debatte hineinschauen. Die Schau ist leider in ihrem beabsichtigten Effekt misslungen, und dass in der Rückschau schon einige ihre Beiträge gelöscht haben, spricht nicht für einen gelungenen Coup. Der aber wäre gerade aus dem Blickwinkel von Künstlerinnen und Künstlern mit ihrem ansonsten tatsächlich vorhandenen Format ein wirklich relevanter und spektakulärer Beitrag zur dringend notwendigen Einmischung gewesen; denn wer in dieses Land schaut, sieht, dass Bundes- und Landesregierungen überfordert waren und sind. Dass es keine Strategie und keinen Plan gibt, keinen Einfall außer dem Ausfall des Lockdowns: Schade, dass Liefers & Co. ihre Kritik daran so unnötig versemmelt haben – ohne irgendein neues Argument auch nur in einem der 53 Beiträge.

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Dass die Kultur sich einmischt, ist gut, notwendig, überfällig, großartig, dass sie provoziert, eine willkommene Form kultureller Relevanz und Souveränität. Dass sie aber in zu großen Teilen belanglos und naiv daherkommt, ohne nach links und vor allem nach rechts zu schauen, ist bei so viel Prominenz enttäuschend. Leider eine verpasste Chance, die gut inszeniert wirklich etwas Nachhaltiges bewirkt hätte! Kritik an der Schauspieler-Elite ist unterdessen kein Einschüchtern, kein In-die-Ecke-Stellen, sondern: Meinungsfreiheit. Einige nannten die Beiträge, vor allem jenen von Liefers, „mutig“. Wie bitte? Was ist mutig daran, in einer Demokratie seine Meinung öffentlich zu sagen? Liefers steht nicht mehr auf dem Alexanderplatz.

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Die heftigen Reaktionen auf die Aktion der Schauspielerinnen und Schauspieler passen erneut in das betrübliche Bild des Schwarz-Weiß-Denkens, das in der Pandemie offensichtlich final die Herrschaft über unseren gesellschaftspolitischen Diskurs übernommen hat. Wir sind kaum noch in der Lage zu differenzieren, werfen fast alles in den Topf der Rechthaberei, der Aggressivität, zuweilen sogar der persönlichen Verunglimpfung. Das Denken, die Meinungs- und Pressefreiheit, die sachliche Auseinandersetzung – sie haben in diesen Tagen auch eine Schutzkleidung verdient. Debatte, Streitkultur, Pro und Kontra, Toleranz für Andersdenkende sind mühsame Prozesse, aber sie machen doch Freude, und sie bringen uns weiter: auf dem Weg zu richtigen Lösungen, und wenn es nicht anders geht, zu Kompromissen. Sie sind das vornehmste Wesen der Demokratie.

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