Zehn Punkte für Aachen.

Zehn Punkte für Aachen.

In der OB-Stichwahl: Sibylle Keupen, parteilose Kandidatin der Grünen.
In der OB-Stichwahl: Sibylle Keupen, parteilose Kandidatin der Grünen.

Aachen ist ein Ort mit hoher Symbolkraft. Von Dom und Karlspreis (historisch) bis zu den Hochschulen (Technologie und Innovation). Wie macht Aachen aus Geschichte Zukunft? Das ist die Frage der Gegenwart, gerade wenige Tage nach der Kommunalwahl und wenige Tage vor der OB-Stichwahl.

Zehn Punkte bzw. Fragen dazu.

  1. Die im Rat vertretenen Parteien, vor allem die mit den schlechten Ergebnissen, sollten sich an allererster Stelle ihres Handelns eine neue Qualität des Bürger-Dialogs vornehmen. Wer zuhören will, gestikuliert nicht. Dieser Prozess muss ernsthaft und nicht plakativ gemanagt werden. Dazu gehören neue Veranstaltungsformen und neue Dialog-Angebote. Bürgerdialog ist kein Wahlkampfszenario, sondern eine permanente Aufgabe.

    In der Stichwahl: Harald Baal, OB-Kandidat der CDU.
    In der OB-Stichwahl: Harald Baal, Kandidat der CDU.
  2. Welche neuen Akzente braucht die Innenstadt wirklich? Wie definieren wir Aufenthaltsqualität? Stadtbild und Image in Maastricht werden – anders als in Aachen – nicht nur durch die historische Innenstadt, sondern auch durch die neueren Entwicklungen  geprägt. Basis waren strategische Überlegungen und Instrumente wie z.B. ein periodisches erneuertes Leitbild. „Leadership in der Kommunalpolitik und Politiker, die Kopf und Kragen riskieren“, fordert Hans Hoorn, Stadtgestalter von Maastricht. Dort gibt es zudem eine fünfköpfige Gestaltungskommission mit ortsfremden Experten/Bürgern zur Vermeidung von Interessenskonflikten. Ihr gehören keine Politiker an.
  3. Die Kultur: Was fehlt da Aachen? Was braucht Aachen, was braucht es nicht? Was können wir uns leisten, was wollen wir uns nicht leisten, was müssen wir uns leisten? Auch hier muss eine andere Qualität von Dialog mit möglichst vielen Menschen einsetzen – aus der Stadt, aus der Region und aus anderen Regionen.
  4. Wissenschaft, Lehre, Forschung und Technologie prägen Aachen ganz besonders und machen in vielerlei Hinsicht den Unterschied zu anderen Städten aus. Wie kann die Stadt in einer anderen Qualität von der Kompetenz unserer Hochschulen profitieren? Wie gelingt es besser, rechtzeitig berufliche Perspektiven für Absolventinnen und Absolventen zu etablieren und Abwanderung zu verhindern?

    Das "Reallabor" in der Woche der Mobilität: Aachen braucht einen Masterplan für neue Wege, nicht nur Momentaufnahmen und Einzelmaßnahmen. Foto: BM
    Das „Reallabor“ in der Woche der Mobilität: Aachen braucht einen Masterplan für neue Wege, nicht nur Momentaufnahmen und Einzelmaßnahmen. Foto: BM
  5. Aachen braucht neue Verkehrsstrukturen, neue Wege im wahrsten Sinne des Wortes. Zur Mobilität gehört der Mut zur Debatte, zur Auseinandersetzung, auch zum Streit. Ein umfassender Masterplan, der über Einzelmaßnahmen wie am Theaterplatz oder am Adalbertsteinweg mittelfristig hinausreicht und die Interessen der Bewohner wie der Einpendler gleichermaßen berücksichtigt, ist ebenso nötig wie eine intensivere externe Beratung. Nur so kann Aachen seriös Vorreiter in der Erprobung von Mobilitätsideen und -konzepten werden.
  6. Gibt es einen konkreten städtischen Plan für die Vielfalt der lokalen und regionalen Wirtschaft? Was ist mit den Start-ups, dem Campus, den kleinen Handwerksbetrieben und den Global-Playern? Wie kann gerade in Zeiten eines menschenverachtenden Desasters wie Continental die Attraktivität für die Ansiedlung und den Ausbau von Mittelstand, Handel und Handwerk gesteigert werden – auch in Kooperation mit den unmittelbaren Nachbarn, Stichwort „Rheinisches Revier“?
  7. Wie gestaltet man die Innenstadt unter dem überlebenswichtigen Aspekt des Wohnens? Wie wird die Attraktivität der City gesteigert – für Kinder und ihre Familien, aber auch für Senioren? Was macht eine Innenstadt lebendig? Wie sieht eine zeitgemäße Stadt-Möblierung aus?
  8. Dringend nötig ist eine realistische Zukunftsvision für „Aachen digital“ und zeitnahe, gut strukturierte, nachhaltig wirkende Entscheidungen in die richtigen Projekte und großzügige Unterstützung für die digitalen Akteure.
  9. Was passiert auf Dauer mit dem Tivoli – auch mit den Potenzialen, die andere Veranstaltungsangebote dort verwirklichen könnten? Wann gibt es endlich eine neue Sporthalle? Welche Dynamik entsteht konkret im Sportpark Soers? Der Sport wartet in Aachen schon zu lange auf die Beantwortung solcher Fragen.
  10. Wie kann die Zusammenarbeit innerhalb der Euregio wiederbelebt werden? Sie ist unbedingt nötig für Themenbereiche wie Ansiedlung, Energie, Klima, Mobilität, Innovation, urbanes und regionales Leben. Hier bedarf es einer neuen Initiative. Hier ist Leadership gefragt!

3 Gedanken zu „Zehn Punkte für Aachen.

  1. Eine beachtenswerte Bestandsaufnahme.
    Leider hören die politischen Akteure schon lange nicht zu
    das Angebot im Wahlkampf „Zuhören“
    war und ist eine Eintagsfliege
    Externe Berater wie in Masstricht kennt die Politik nicht
    Aber wir werden es schon noch schaffen
    Danke für den qualifizierten Beitrag

  2. Bernd Mathieu zeigt wieder einmal seine hohe journalistische Kompetenz und belebt damit die dringend erforderliche Diskussion. Er fordert auf zu Mut für Neues. Auf allen Ebenen und bei allen Themen.

  3. Als Alexander der Große vor dem Gordischen Knoten stand, den bis dahin niemand entwirren konnte, dachte er kurz nach, dann zog er sein Schwert und zerteilte den Knoten. Wer hat den Mut und die Kraft, die vielen Aachener Knoten, die Herr Mathieu in seinen 10 Thesen richtig benannt hat, so anzugehen, wie Alexander es mit dem Gordischen Knoten machte : zuerst klar analysieren und dann entschlossen handeln. Was ist dazu erforderlich ? Ein(e) OB voller Tatkraft und Entschlossenheit und Ratsvertreter, die mit der gleichen Energie die Zukunftsfragen angehen ! Beispiele ? Die unendliche Geschichte um den Bushof. Abreissen und einen modernen , interessanten ,markanten Bau dort hinsetzen ! oder : Punkt 9.Der Tivoli als Fußballstadion muss abgewickelt werden ( kein Unternehmen würde einen solchen Klotz am Bein weiter mit sich herumschleppen). Könnte an den ALRV gehen . Auf dem Gelände des Polizeipräsidiums einen neuen TIVOLI als Hallenstadion für ca. 15000 Zuschauer als Mehrzweckeinrichtung von einem Investor bauen lassen , auch als Spielstätte für die Ladies in Black nutzbar und als Eventhalle. Oder Nr. 10 ist so was von überfällig. OB Phillip und Städteregionsrat Etschenberg haben 10 Jahre lang die Entwicklung in der Region blockiert . Zurück zu der Zusammenarbeit von OB Linden und Meulenbergh. Fazit : wenn Aachen und die Region tatsächlich eine bessere Zukunft haben soll, dann braucht es kräftige und mutige Schnitte a la Alexander.

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